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Strafsteuer für klimabewusste Mobilität

Bisher waren E-Autos von der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Nun gilt sie auch für sie, wobei die Berechnung auf der Leistung in Kilowatt (kW) und Gewicht basiert. Ein E-Auto mit 150 kW Leistung z.B. zahlt nun nach derzeitigen Erkenntnisstand (Durchblicker) 820 /Jahr. Abgesehen davon, dass dies für bestehende Besitzer:innen eine Mogelpackung darstellt (sie hatten sich für das E-Fahrzeug unter anderen Bedingungen entschieden), führt das zu einer Kaufzurückhaltung. In der Automobilbranche geht man davon aus, dass eine Erhöhung der laufenden Kosten um ca. 10 % die Nachfrage um ca. 2–5 % senken kann. Wenn die jährlichen Betriebskosten für ein typisches E-Auto (z. B. 1.500 € Stromkosten + 500 € Versicherung) bisher bei etwa 2.000 € lagen, führt eine zusätzliche Steuerbelastung (siehe Beispiel) von ca. 820 € (41 % Erhöhung der Fixkosten) zu einem potenziellen Rückgang der Nachfrage bis zu 17 %. Dieser Effekt kann sich noch verstärken, da die Unsicherheit über künftige Kosten viele Käufer abschreckt. Sie haben ja gerade miterlebt, wie einfach und willkürlich neue Steuern eingeführt werden.

 

Was bedeutet das aber für die CO2-Entwicklung in Österreich? Die Verlangsamung des Antriebswechsels gefährdet aktuell auch die CO2-Ziele Österreichs, denn eine Reduktion der CO2-Emissionen im Straßenverkehr kann nur durch eine deutliche Zunahme der Elektromobilität gelingen. Verfehlen wir das Klimaziel, drohen hohe Strafzahlungen - das würde sich wiederum empfindlich auf die Konsument:innen  auswirken. Genau deshalb gilt, den Hochlauf der Elektromobilität zu fördern, statt ihn zu gefährden, wie es jetzt gerade geschieht. Wie Förderung gelingt, kann man seit langer Zeit in Norwegen beobachten. Rund 20 Jahre lang fiel die Kfz-Mehrwertsteuer, die in Norwegen 25 Prozent beträgt, für E-Autos weg. (Seit 2023 gilt das nur noch für Elektroautos, die weniger als 43.000 Euro kosten.) Eine Zeitlang durften E-Autos auch generell auf Busspuren unterwegs sein. Das gilt auch jetzt noch - obwohl bereits neun von zehn der verkauften Neuwagen E-Autos sind - allerdings nur dann, wenn mehrere Passagiere im Auto sitzen. Auch eine schlaue Maßnahme, Fahrgemeinschaften zu fördern.

 

Wesentlich für Norwegens Weg zum Vorzeigeland der E-Mobilität ist und war, dass die Maßnahmen langfristig und verlässlich blieben – auch nach Regierungswechseln. Das Rezept? Ein großes Paket an Anreizen zusammenstellen und es langfristig und vorhersehbar absichern. Norwegens Politik geht bei der E-Mobilität also schlau und strategisch vor, nicht aktionistisch wie in Österreich. Verlass ist hier nur auf das Festhalten an klimaschädlichen Steuern wie dem Dieselprivileg, eine immerhin 8,5 Cent pro Liter niedrigere Mineralölsteuer auf Diesel. E-Auto-Fahrer:innen in Österreich haben die Entscheidung für ihre Mobilitätsform bewusst getroffen und einige Unwegbarkeiten auf sich genommen: geringere Reichweite, höhere Anschaffungspreise, sich erst langsam entwickelnde Lade-Infrastruktur. Viele trafen diese Entscheidung aber ganz klar aus Klimaschutzgründen (für mehr als 60% ein Kaufmotiv). Dafür werden sie jetzt bestraft.

 

Gibt es Lösungsvorschläge? Ja. Die EU-Kommission hat am 5. März angekündigt, mit allen Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um bewährte Verfahren und Erkenntnisse über Anreizsysteme für Verbraucherinnen und Verbraucher, einschließlich Besteuerung, auszutauschen. Dies wird in eine Empfehlung der Kommission einfließen, in der auch mögliche Finanzierungsquellen dargelegt werden, die die Mitgliedstaaten nutzen können, um solche Anreize zu unterstützen. Zum Beispiel Steuervorteile für E-Mobilität. Erklärtes Ziel ist die Beschleunigung des Ausbaus dieser Technologie. Man kann nur hoffen, dass Österreich sich diesem Ziel und den Maßnahmenbeschlüssen anschließt.

(lf)

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Kommentare: 5
  • #1

    Raimund Wagner (Dienstag, 18 März 2025 11:09)

    Mit dem Nein zum Verbrenner-Aus wurde die Industrie und Wirtschaft verunsichert - mit der Einführung der motorbezogenen Versicherungssteuer für Elektrofahrzeuge werden nun die e-Auto Besitzer verunsichert und bestraft! Konsequente und zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik sieht anders aus!

  • #2

    Andreas Blin (Dienstag, 18 März 2025 11:24)

    Über kurz oder lang werden die "Priviliegien" des e-Autos fallen müssen und es zu einer Gleichbehandlung der Antriebsarten kommen - jedwelche bessere Behandlung der e-Auto werden gegen die geringere CO2 Bilanz der EVs zu rechnen sein; und nur daraus lassen sich auf lange Sicht finanzielle und operative Vorteile rechtfertigen.
    Das bedeutet auch, dass jedwelche Diesel-Privilegien abzuschaffen sind - oder gegen deren CO2 Bilanz abgewogen werden.
    Die Ungleichbehandlung von EVs (z.B die Ausnahme aus dem I-GL) führt nur zu überflüssigen Emotionen und - im Fall des "Lufthunderters" - gefährlichen Situationen im Straßenverkehr.
    EVs sind den Verbrennern technisch überlegen, die Vorteile werden dafür sorgen, dass in allen Anwendungsfällen, die zu jeder Zeit möglich sind, EVs eingesetzt werden. Diese Anwendungsfälle werden mehr und damit die Konkurrenz zum Verbrenner stärker.
    Es kann aber auch nicht sein, dass e-Autos z.B. die Straßen verwenden, ohne einen Beitrag zu leisten - ein EVs Dienstwagen ist Einkommensteuerbefreit, fährt viel und trägt keinen finanzielllen Beitrag zur Strassenerhaltung bei - wie soll das auf Dauer gehen? km-abhängige Straßenmaut wäre ein Ansatz.
    So gesehen sehe ich das nicht als "Strafsteuer" sondern als Beginn der Gleichbehandlung. Leider geht die Regierung damit zu kurzfristig um & erzeugt Unsicherheit. Es stellt sich die Frage, ob die KfZ-Steuer bei längere Ankündigungsfrist nicht ähnliche oder die gleichen Effekte gehabt hätte.

  • #3

    Leo Fellinger (Mittwoch, 19 März 2025 07:43)

    Es geht mir nicht allein um Steuerbefreiung, sondern 1. um Gleichbehandlung. Das Ganze muss harmonisiert werden, zur Zeit werden Äpfel mit Birnen verglichen und da kommt eine Schlechterstellung des E-Mobils heraus. Und 2. muss man Anreize schaffen, diese Form der Mobilität schneller umzusetzen, damit CO2-Ziele erreicht werden können. Das sind meine Kritikpunkte. Steuern sind in Ordnung, wenn sie gerecht verteilt und angewandt werden. Nicht aber e-Autos proportional höher besteuern als Verbrenner und das Dieselprivileg nicht abschaffen....

  • #4

    Franz Kok (Mittwoch, 19 März 2025 08:40)

    Hü und Hot sind in Österreich leider beliebte Politikmethode. Die kostendämpfende Wirkung des Ausbaus von Windenergie und PV wird durch endlose Genehmigungsverfahren gebremst und zuletzt durch Strompreissubventionen demotiviert. eMobilität braucht immer noch Starthilfe, soll aber gegenüber Fossilautos nicht benachteiligt werden. Wer vertritt die Interessen der eMobilität in diesen Regierungsprozessen derzeit?

  • #5

    Leo Fellinger (Mittwoch, 19 März 2025 08:51)

    Peter Hanke - Bundesminister für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie